(Hardcover, Hannibal Verlag, 509 Seiten, 25,90 Euro)
Wow, was für ein Schinken! Und gut abgehangen ist er auch. Okay, ich gebe zu, dass „Please Kill Me“ nicht ganz neu ist, aber es ist die Mutter aller relevanten Dokumentation über die Punk-History dieses Universums ist. „England’s Dreaming“ von Jon Savage, die hier abgekupferten „Verschwende Deine Jugend“ von Jürgen Teipel und John Robbs „Punkrock“ stehen im tiefen Schatten von „Please Kill Me“. Was Teipel und Robb Jahre später über die jungen Jahre von Punk für Deutschland und Großbritannien abgeliefert haben, fußt auf der feinen Vorarbeit von Legs McNeil und Gillian McCain über die Entstehung von Punk in den USA. Im Original erschien „Please Kill Me“ bereits 1996, die deutschsprachige Erstauflage 2004. Scheißegal! Das Buch basiert auf tausenden Interviews mit den Protagonisten der Frühphase des US-Punkrock. Als da beispielsweise wären: Dee Dee und Joey Ramone, Wayne Kramer, Patti Smith, Richard Hell, Jerry Nolan, Iggy Pop, Handsome Dick Manitoba, Arturo Vega, Debbie Harry, Lou Reed und vielen andere mehr. Hm, ich schreibe ja ungerne von Klappentexten und ähnlichen Waschzetteln ab, aber hier muss es mal sein, denn besser kann man es eigentlich nicht ausdrücken: „In chronologischer Reihenfolge fügt sich nahtlos Zitat an Zitat, als säßen die Interviewten in einer großen Runde beisammen, um sich mit dem Erzählen abzuwechseln. Der Leser taucht ein in die verrückte Welt des Rock’n’Roll mit all ihren Freuden und auch Schattenseiten.“ Na gut, ich verbessere mich, natürlich ließe sich das auch schwungvoller artikulieren, aber Ihr wisst was ich meine… Und auch der Satz: „Please Kill Me ist ein amüsantes und informatives Lesevergnügen, das zudem wieder enorm Lust macht, die alten Platten aufzulegen“ kann mich mal kreuzweise, aber es ist jetzt halt einfach mal so, dass ich seit geraumer Zeit wieder enorme Lust verspüre, den ganzen abgenudelten alten Scheiß aufzulegen und mir als Soundtrack zu diesem Buch durch die Gehörgänge blasen zu lassen. Danke Markus Weckesser, für die treffenden Worte. Was sich ansonsten zwischen den meilenweit entfernten Buchrücken verbirgt sei an dieser Stelle nicht verraten, denn der umfassende Inhalt des Buches lässt sich nicht in kurze Worte fassen. Vielleicht noch kurz zu den Autoren: Gillian McCain ist vernachlässigbar, aber Legs McNeil sollte jedem Punkrocker ein Begriff sein, ist er doch einer der Mitherausgeber des ersten Punkrock-Fanzines ever. Bands, die damals noch ganz diffus durch die Gegend waberten und sich allesamt einfach vom gängigen Mainstream abhoben, fasste Legs McNeil mit seinen Kollegen einfach unter dem tollen Namen Punk zusammen und war damit namensgebend für ein Gefühl, das uns heute noch in tiefster Seele berührt. Legs und Konsorten sei Dank. Auch dafür, dass wir hier voyeuristisch geil eine ganze Menge über Sex, Drugs & Alcohol used anno dunnemols in Amiland erfahren dürfen. „Please Kill Me“ gehört in jeden Ernst zu nehmenden Punkrock-Haushalt und ist ein unversiegbarer Quell cooler Sprüche. Noch dazu in sehr ansehnlicher Aufmachung: den schicken Schutzumschlag mal abgenommen, verbirgt sich Schottland dahinter. Innen drin befinden sich auch noch ein paar aussagekräftige Fotographien. Und noch ein kleiner Tipp: Lest das Buch (remember: Hardcover, über 500 Seiten) niemals im Bett, wenn Ihr müde seid. Das gibt nur Schrammen im Gesicht und blaue Augen. Glaubt es mir… Obnoxious