Schrappmesser – The Shape Of Platt To Come

(Bakraufarfita Records)
Tststs, da gibt’s die Kapelle schon seit mindestens drei Jahren und keiner hat’s mitbekommen, also zumindest ich. Interessant und als erstes wird mit Sicherheit immer erwähnt, dass hier Ingo vonnen Donots trällert und ihm zwei Kumpels von Waterdown den Rest geben. Demensprechend verwundert es nicht, dass hier alle wissen, dass die Qualität beim ersten Tonträger schon zu 100% überzeugt. Alle Zweifel, ob das bei dem HC-Brett auch gelingt kann ich euch nehmen, jap das funzt. Überlegt doch mal, was die Jungs in ihrer Jugend gemacht haben. Ebent, genau das und dahin geht es jetzt wieder zurück. So machen die vier Lieder nicht nur den Interpreten Spaß, sondern auch den Hörern. Vor allem weil alle Titel auf Platt sind und man nur vermuten kann um was es geht, wenn man wie ich aus der Pfalz kommt. Auf jeden Fall habe ich aber „Fiets“ verstanden, was irgendwie in Richtung Mofa oder Moped geht, ha! Na und Metallicas „Seek And Destroy“ in „Seuken und Kapottmaken“ versteht nicht nur jeder, es macht einfach Laune.
Bocky

„Wer mit frisch gewetzten Klingen auf wehrlose Menschen losgeht“, dachte ich mir, „der muss doch auch einen Grund haben“. Den sollt ihr nun erfahren:

Schrappmesser, Schrappmesser, was’n ein Schrappmesser?
Das ist ein Schälmesser. Für Kartoffeln, Rüben, Zwiebeln, Kohlrabi, Blumenkohl und alles, was man sonst noch für nen Eintopf braucht.

Die musikalischen Einflüsse sind bekannt. Wem eifert ihr aber mit den Oberlippenqueriros nach?
Grundsätzlich ist ein Schnauzbart gleichbedeutend mit Seriösität und (finanzieller) Potenz. Und es ist der Stil, der wettergegerbte, hart arbeitende, echte Westfalen auszeichnet.  Kommt bei Zeltparties auch gut an, wenn man auf Freiersfüßen wandelt.

Nassrasur vs. Elektrorasur, wer rasiert hier eigentlich wen?
Schrappmesser. Das ist die Antwort auf beide Fragen.

Da wird heutzutage überall vor dem Suff gewarnt, Flatratesaufen ist verpönt und Bierflaschen weisen einen auf „vernünftiges Trinken“ hin. Na und jetzt kommt ihr daher und stellt die Gehirnzellenforschung auf den Kopf. Was ist mit eurer Verantwortung?
Hab ich nicht verstanden, die Frage. Vernünftiges Trinken? Was soll das ein?

Die Songs erscheinen auf Vinyl, macht euch das ein wenig Spaß?
Die Vinyl-Schallplatte ist das einzig wahre Medium für Musik. Alles andere ist wertloser Plastik- oder Datenmüll. Wenn es finanziell möglich war, gab es in der Vergangenheit von unseren anderen Bands auch immer Vinyl. Uns ist das sehr wichtig. Wenn es kein Vinyl gab (zum Beispiel bei den letzten zwei Waterdown-Victory-Alben), dann nur, weil die Plattenfirma sich dagegen ausgesprochen hatte.

Bocky

Day By Day – Animal Abuse… Is Nothing Bygone

(LP, Twisted Chords)

Vor mir liegt der vollständige Re-Release der Karlsruher Anarcho-Squatter-Peace-Punks aus den Jahren 1991 bis 1995, die damals stark von den 1980er Jahren beeinflusst waren. Insgesamt sind das 14 Tracks, die auf Tape, Singles oder Samplern veröffentlicht wurden und eben nun alle auf einem Rundling vereint sind. Eines der Hauptthemen der Bands waren ganz klar die damals noch mehr als heute mit Füßen getretenen Tierrechte, was durch einen auf dem Cover verstümmelten Affen untermauert wird. Die hochpolitische Platte erscheint nur auf weißem Vinyl mit Downloadcode, hat ein beiliegendes Textblatt sowie ein Poster. Insgesamt also eine sehr liebevoll aufgemachte Sache, die exemplarisch für die frühen 1990er Jahre der Polit-Punks gesehen werden kann. Also etwas für all jene, die Punk nicht nur wahrnehmen, sondern auch verfolgen.   Bocky

 

Dog Company – A Bullet For Every Lie

(LP, Contra Records)

Es gibt sie also doch noch, die jungen guten Bands, die sich mit frischem Wind in den Segeln auf das wild tosende Meer wagen, weil ihre junge Besatzung schon genügend Erfahrung hat, den heftigen Wellen zu trotzen. Dog Company spielen munteren und gleichzeitig melodischen Streetpunk, deren Songwriting auf eine ereignisreiche Vergangenheit schließen lässt, obwohl noch keiner der Jungs wirklich alt aussieht. Etwas verwirrend finde ich das blau-weiß-rote Vinyl (US-amerikanische Staatsfarben) für eine texanische Band mit MG-Bauanleitung als Cover in Verbindung mit den Texten der Songs „Sean Flynn“ und „Che“. Vor allem weil Letzterer für sie ein Mörder und kein Märtyrer war. Natürlich kann man darüber streiten, was Che Guevara machte, aber das Gesamtbild wirkt schon etwas merkwürdig. Vielleicht ist es aber eben auch nur Paranoia. Rein musikalisch knallen Dog Company wirklich gut einen weg, aber der Rest ist mir doch etwas zu Redneck-lastig.   Bocky

Remember – Chuzpe

(LP, Rising Riot Records)

Naja, ’ne dreiste Unverschämtheit finde ich den Debüt-Longplayer nach der 7“ vor ziemlich genau einem Jahr nicht. Eher finde ich es interessant, wenn eine Band Nietzsche zitiert. Und mal ehrlich, Remember können froh sein, dass sie atmosphärisch wüsten und emotionalen Hardcore mit ordentlich Metal-Gitarre machen. Denn wären sie Streetpunks, wären sie spätestens jetzt verdächtig. Wie dem auch sei, bersten hier die Synapsen so laut, wie andernorts Knochen splittern und hinterlassen kalte Ödnis. Die Band verfeinert den Stil ihrer Single und packt in Sachen Atmosphäre noch einen oben drauf, bzw. hebt noch eine Schaufel Erde mehr aus dem kalten, nassen und nach Lehm riechenden Boden. Diese Soundwand haut einem unablässig wie ein stumpfer Gegenstand gegen die Stirn bis dort der Knochen kurz, aber unüberhörbar knackt. Kommt im fetten Karton und mit den Texten bedruckten Inlay sowie „Downloadcode für die moderne Jugendkultur“.   Bocky

Shoyu Squad – From Bad To Worse And Nine To Five

(LP, Rising Riot Records)

Ist das nicht ein wundervoll klingender Plattentitel, zu dem man sich gerne aus dem 20. Stock eines Wohnblocks stürzt? Ich finde schon! Doch im Gegensatz zum Emo sind HC-Anarcho-Crusties jedoch nicht so schnell bei der Sache, stattdessen würde man viel lieber versuchen, so viele Arschlöcher wie möglich mit in den Tod zu reißen. Davor gibt es aber noch einmal harte und kühl wirkende Gitarren, die einen kehligen Gesang durch zehn, zumeist Mid-Tempo-, Lieder begleiten, der wiederum hier und da von Krusten-Gebelle unterstützt wird. Doch nicht nur mit dem Sound für die nächste Endzeit à la Tragedy gab man sich Mühe. Auch optisch kommt der aufgeraute Karton sehr schick daher und informell weiß man den Hörer anhand der Linernotes an seinen Gedanken Teil haben zu lassen. Wuchtiges Teil, das einen da langsam, aber stetig zu Boden streckt.   Bocky

Split – Amen 81 / NeinNeinNein – Nein 81

(LP, Twisted Chords)

Von den drei wilden Prügelknaben aus Nürnberg – Amen 81 – habe ich lange nichts gehört und wundere mich in der Tat, dass deren Seite auf diesem herrlichen Stück Vinyl so viel eingängiger sind, im Vergleich mit den alten Sachen, die ich von ihnen besitze. Damit meine ich die Mucke, als auch die Texte. Ganz weit vorne ist da bei mir der Lügendetektor, der der eigenen Szene-Eitelkeit eine Absage erteilt. Amen 81 sind für mich besser denn je! NNN lösten sich nach diesen Aufnahmen auf und verschwinden so in den Annalen des deutschen Punk mit der Faust im Anschlag. Gemeint ist damit, dass die Gruppe sich nie groß um Kompromisse scherte, wenn sie nicht ihren Köpfen entsprungen waren. Ob gut oder nicht, immerhin sorgten sie für Aufregung und Kontroversen. Die Kapitel schließenden sechs Tracks beweisen das auch noch einmal. Auch wenn derber als bisher bekannt.   Bocky

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