Lee Hollis – Selling The Ghetto

(Hörbuch, Ventil Verlag/FSR, 64 Minuten, 15,34 Euro)

Ich glaube nicht, dass ich Lee Hollis tatsächlich vorstellen muss. Selbst die Jüngeren und Nachgeborenen unter der verwahrlosten Meute, die die Leserschaft des Punkrock! bildet, sollten diese Ikone des Punkrock und Hardcore kennen. Sei es als grandioser Sänger und Performer bei den Spermbirds oder bei 2 Bad und Steakknife oder auch nur als Hupfdohle bei der Walter Elf. Wer ihn ein Mal oder hundert Mal auf irgendeiner Bühne gesehen hat, weiß welche Energien in dem Amerikaner aus dem Saarland stecken. Mitte der 90er entdeckte Hollis auch seine Vorliebe für die Literatur und ist seither auch als Spoken-Word-Entertainer unterwegs. Mal mehr, mal weniger. Leider ist Lee Hollis auch ziemlich faul, was das Verfassen und Veröffentlichen von neuen Geschichten aus dem Alltag und von seinen persönlichen Neurosen betrifft. Nach den beiden kurzen Büchern „Driving In A Dead Man’s Car“ und „Monsters“ kam da leider nichts mehr und so ist es eine wahre Freude, dass man zumindest auf das Hörbuch „Selling The Ghetto“ zurück greifen kann. Das ist zwar inzwischen auch schon seit acht Jahren erhältlich, aber trotzdem erfrischend wie ein Sixpack an einem heißen Tag am Baggersee. Und es ist lustig, sehr lustig sogar. Wie bei den Büchern, ist auch hier nicht wirklich schwierig, den Hollis’schen Erzählungen auf Englisch zu folgen. Vielmehr ist es enorm unterhaltsam, da es sich um Live-Mitschnitte von einer Lesung 1998 in Hannover handelt und die Atmosphäre dort sehr locker war. Egal ob beim Vortragen seiner Stories oder im Smalltalk mit dem Publikum, Lee Hollis sprüht geradezu vor Punkrock-Charme. Er nimmt sich und seine Geschichten nicht zu ernst, lacht oft über sich selbst und hat einen mörderischen Spaß dabei, seine Performance zu leben. Hollis verarbeitet bei den fünf gelisteten Stories und dem Ghosttrack eigene Erlebnisse auf Konzerten, bei der Arbeit und aus dem Alltag. Und natürlich macht er sich Gedanken über seine Umwelt. Das bedeutet für den Hörer über eine Stunde super Unterhaltung, einfach zurück lehnen und sich amüsieren, ohne dafür mehr machen zu müssen als die Ohren aufzusperren. Man kann sich an dem Hörbuch eigentlich nicht kaputt hören, das ist unmöglich, denn mit jedem Hören finden sich neue amüsante Nuancen, die man vorher noch nicht bemerkt hat. Das hilft übrigens beim Warten auf die nächste Veröffentlichung von Lee Hollis. Man hört nämlich Gerüchte, dass es in nicht all zu weiter Zukunft doch endlich mal wieder so weit sein könnte und Lee Hollis doch noch mal was Neues in schriftlicher Form veröffentlicht. Das wäre sehr zu hoffen und ich freue mir in froher Erwartung jetzt schon ein Loch in den Kopf. Bis man aber tatsächlich ein neues Buch in den Händen halten kann, empfehle ich unbedingt dieses Hörbuch und, wenn man die Möglichkeit dazu hat, auf eine Lesung von Lee Hollis zu gehen. Notfalls selbst eine organisieren. Es lohnt sich in jedem Fall.   Obnoxious

Chris Hyde – Rock’n’Roll Tripper

 

(Hörbuch, Horchposten Verlag, 111 Minuten, 17,90 Euro)

Die Buch-Ausgabe des „Rock’n’Roll Tripper“ habe ich ja hier schon in unserer fünften Ausgabe besprochen. Jetzt liegt erfreulicherweise auch das Hörbuch vor und der Einfachheit halber, zitiere ich zum Einstieg und damit jeder weiß worum es hier eigentlich geht, die Kernsätze des damaligen Reviews noch einmal. Denn mich selbst zitieren, das mache ich immer noch am gernsten: „…ein Buch in dem das Rock’n’Roll-Lebensgefühl so unvermittelt zum Ausdruck kommt, muss man wohl lange in der großen Wüste der Literatur suchen. Das Werk ist Rock’n’Roll pur. Einfach und schnörkellos auf den Punkt gebracht. One-Two-Three-Four-Fratzengulasch!“ … „Das wahre Leben spielt auf der Straße und genau dort, im dreckigen Straßengraben, im Gully, unterm Rotlicht sammelte Chris Hyde seine Erinnerungen, die er uns in seinem Buch darbietet. Keine Sau braucht irgendwelche schöngefärbten Memoiren von gefeierten Idolen oder lorbeerhungrigen Mitläufern. Was Chris Hyde hier abgeliefert hat, ist das Nonplusultra an Rock’n’Roll-Literatur. Kaum jemand versteht es so authentisch über den Lifestyle der Szene zu berichten.“ … „Ein Buch wie eine Büffel-Stampede durchs Rock-Gehirn. Aggressiv und trotzdem locker-flockig geschrieben.“ … „Hier spricht jemand, der in der Szene drin war und der auch wirklich was zu erzählen hat, weil er die Sachen über die er schreibt auch wirklich erlebt hat.“ Man sieht, das Buch hat mir scheinbar ganz gut gefallen. Aber jetzt mal konkret: Chris Hyde lebt in Wirklichkeit unter seinem richtigen Namen Helmut Wenske in Hanau. Dieses Jahr wird er 70. Und er hat ziemlich viel erlebt. „Rock’n’Roll Tripper“ handelt autobiographisch von seiner Zeit Ende der 50er bis Ende der 60er als Halbstarker im von den amerikanischen Besatzern geprägten Hanau. Hier stand die Klassenkeile so gut wie täglich auf dem Programm, vor allem da, wo sich Helmut Wenske rumgetrieben hat. Was er in seinem Buch auch mehr als anschaulich beschrieben hat. Der Horchposten Verlag hat die Brillanz dieses Werkes zum Glück erkannt und keinen geringeren als den einschlägig bekannten und berüchtigten Schauspieler („Das Boot“, „Bang Boom Bang“, „Was nicht passt, wird passend gemacht“ und „Chaostage“!!!) und Ex-Knastler Ralf Richter engagiert, um dem Buch die richtige Stimme zu verleihen. Zur Debatte standen auch noch einige andere, nicht weniger illustre Kandidaten, aber schließlich hat man sich auf Richter geeinigt. Und der hatte dann wohl auch Zeit. Und wie man beim Anhören deutlich merkt, auch selbst jede Menge Spaß beim Lesen. Da muss man schon anerkennend sagen: Buch und Artist passen zusammen wie Arsch auf Eimer. Und wie man im Booklet sehen kann, haben sich Wenske und Richter auch bei den Aufnahmen scheinbar ganz gut verstanden. Aber das tut ja hier eigentlich gar nichts zur Sache. Auch nicht, dass Hyde eigentlich Wenske heißt, dass Richter mal im Knast war oder wer da alles noch so als Interpret in Frage kam. Wichtig ist einzig und allein, dass „Rock’n’Roll Tripper“ auch als Hörbuch ganz wunderbar funktioniert. Wer keine Lust hat zu lesen, ist hier hervorragend bedient. Ach ja, zwischen den Kapiteln und auch manchmal als Verschnaufpause während den Kapiteln werden immer wieder passende Songs oder Songschnipsel eingespielt, was ein feiner Gimmick ist. Das Sahnehäubchen kommt dann noch ganz zum Schluss, wenn Helmut Wenske zusammen mit der Band G.U.L.P. seine Fassung von „Shakin’ All Over“ präsentiert. Das rockt!   Obnoxious

Douglas Adams – Per Anhalter durch die Galaxis 1

(Hörspiel, Der Hörverlag, 6 CDs, 291 Minuten, 29,95 Euro)

„Keine Panik!“ steht in leuchtender Schrift auf dem wichtigsten Buch des Universums, dem Handbuch „Per Anhalter durch die Galaxis“. Warum auch? Warum um alles in der Welt sollte man Panik schieben, wenn man morgens aufwacht und bemerkt, dass sein Haus abgerissen werden soll. Ist doch weiter nicht schlimm. Schlimmer wäre es wenn der Heimatplanet plötzlich, mir nichts dir nichts, unangemeldet einer intergalaktischen Umgehungsstraße Platz machen sollte. Arthur Dent ist vor beide Probleme gestellt. Das ist doof und überraschend… und irgendwie schiebt er Panik. Und das obwohl sein bester Freund sich als Außerirdischer entpuppt, der ihn vor dem garantierten Untergang retten will. Und das auch macht. Klingt jetzt erstmal nicht so lustig. Aber seit ungefähr dreißig Jahren bin ich absoluter Fan von Arthur Dent und seinen haarsträubenden Abenteuern im Universum. Angefixt wurde ich irgendwann Anfang der Achtziger als ich zufällig im TV in die Ausstrahlung der Trickfilm-Serie von „Per Anhalter durch die Galaxis“ stolperte. Das war alles so dermaßen skurril und absurd was meine ungläubigen Augen da sahen, es war unfassbar. Kaum war eine Folge zu Ende, fieberte ich der nächsten entgegen… Gleich danach das Buch. Nein, die Bücher, den Douglas Adams schrieb zum Glück Fortsetzungen. Ich habe sie verschlungen. Immer wieder. Irgendwann der Spielfilm. Den hab ich verpasst, auch zum Glück! Und jetzt das Hörspiel, das bereits Anfang der Achtziger produziert wurde. Ich war mal wieder gespannt… und wurde zwar nicht wirklich enttäuscht, aber eigentlich habe ich mir schon mehr erwartet. Okay, die technischen Voraussetzungen waren damals andere und wie soll man sowas eigentlich besser umsetzen? Trotzdem fehlen mir ein paar wichtige Szenen, über die ich mich im Lauf der Zeit mehrfach tot gelacht habe, anderes hätte meiner Meinung nach auch verkürzt oder ganz weggelassen werden dürfen. Wie dem auch sei, die Hörspielfassung bietet allerlei Kurzweil und etliche Schenkelklopfer, die so vor und nach Douglas Adams niemand mehr provoziert hat. Das Package umfasst die ersten beiden Teile der Buchserie, nämlich „Per Anhalter durch die Galaxis“ und „Das Restaurant am Ende des Universums“. Marvin, dem depressivsten Roboter aller Zeiten, sei Dank, gibt es noch eine Fortsetzung des Hörspiels mit den anderen Teilen. Darüber mehr in der nächsten Ausgabe des Punkrock!-Zines. Jetzt erst mal einen Pangalaktischen Donnergurgler. Prost! Ach ja: Trotz allem auch für andere Fans ein absolutes Muss!   Obnoxious

Douglas Adams – Per Anhalter durch die Galaxis 2

(Hörspiel, Der Hörverlag, 6 CDs, 357 Minuten, 29,95 Euro)

Es kann so schön sein, wenn man ein kaum einjähriges Kleinkind, das strikt den Nachtschlaf verweigert sein Eigen nennen darf. Das nervt am Anfang sehr, wenn man stundenlang auf der Bettkante sitzt und versucht dieses Kind in den Schlaf zu wiegen. Man wünscht ihm den Teufel an den Hals. Irgendwann kommt man aber so langsam zu der Einsicht, dass das wahrscheinlich auch keine gute Lösung wäre. Also was tun? Erster Ausweg: Stirnlampe auf den Schädel und Buch gezückt. Ist aber unbequem und macht Augenkrebs. Und durch das grelle Licht schläft der Säugling auch nicht wesentlich besser ein. Nur die gefühlte Zeit vergeht schneller. Zweite Lösung: Kabellosen Kopfhörer kaufen und Mucke hören. Ist aber mit der Zeit langweilig. Dritte Lösung: Mit dem bereits gekauften Kopfhörer Hörspiele anhören. Beste Lösung! Und wenn man dann noch einen Knaller wie „Per Anhalter durch die Galaxis“ zur Verfügung hat, ist das natürlich doppelt spaßig. Soll der Kleine doch schreien, krakeelen und weinen so viel er will. Ich hab ja meinen Spaß. Über die Vor- und Nachteil vom ersten Teil des Hörbuchs, welcher die Bücher „Per Anhalter durch die Galaxis“ und „Das Restaurant am Ende des Universums“ von Douglas Adams umfasst, habe ich mich in unserer letzten Ausgabe geäußert. Bitte dort nachlesen. Teil 2 mit der Hörspielfassung von „Das Leben, das Universum und der ganze Rest“ und „Mach’s gut und danke für den Fisch“ schlägt natürlich in die gleiche Kerbe und löst bei mir ähnliche Reaktionen aus: Über viele Gags könnte ich mir den Arsch ablachen. Trotzdem ist es auch hier so, dass mir im Vergleich zu den Originalbüchern einfach viele der geliebten skurrilen Situationen fehlen. Dazu kommt noch, dass die Schenkelklopfer-Frequenz auch in den Buchvorlagen immer mehr nachlässt. Linear und scheinbar einer mathematischen Gesetzmäßigkeit folgend. Fast schon als ob sie von Marvin, dem intelligentesten und depressivsten aller Roboter berechnet wäre. Wobei der geliebte Marvin, Zaphod Beeblebrox und Trillian hier schon fast gar nicht mehr vorkommen. Die Handlung flacht auch immer mehr ab, nee, falsch gesagt, wird meiner Meinung nach immer unlustiger und ich hatte auch schon beim Bücher lesen den Eindruck, dass Adams so langsam doch mal die intergalaktischen Ideen ausgehen, aber drauf geschissen, „Per Anhalter durch die Galaxis 2“ bleibt trotzdem eine Wunderwaffe gegen schlaflose Kinder und Nächte. Skurril, absurd, satirisch. Und bietet zum Schluss sogar noch die Frage zu der Antwort auf die Frage aller Fragen. Oder zumindest so ähnlich. Was bleibt ist spitzenmäßige Science Fiction-Unterhaltung im Kampf gegen die Langeweile. Ganz ohne Punkrock. Obwohl: Höre ich da richtig? Hört man da im Background bei der am längsten andauernden Party des gesamten Universums nicht die Einstürzenden Neubauten. Genial, allein diese Idee für die Umsetzung des Hörspiels ist Gold wert. Trotzdem: Unbedingt mit Teil 1 anfangen – besser lauter, härter, schneller und hilft ungemein beim Verständnis von Teil 2.   Obnoxious

Harry Rowohlt – „Der Paganini der Abschweifung“ live

(Hörbuch, Edition Tiamat, 2 CDs, 140 Minuten, 16 Euro)

Harry Rowohlt ist nicht nur der Penner aus der Lindenstraße, nein, er ist Gott, er ist Obergott, ach was Chefgott aller Vorlesegötter. Sozusagen der Zeus von denen. Und gleichzeitig der anarchistischste von ihnen. Er raucht und trinkt, sagen wir ruhig, säuft. Bier und Whiskey. Während der Lesungen! Bekannt geworden ist Harry Rowohlt nicht als Verleger-Sohn und Erbe, sondern als Übersetzer und Autor grandioser Literatur. Neben den eigenen, ebenfalls sehr lesenswerten Werken, verdanken wir ihm die Übersetzung der Schriften von Flann O’Brian (wer von dem noch nichts gelesen hat, ist jetzt mal wirklich ein armer Wicht!) oder etwa von „Pu, der Bär“. Dazwischen ist bei Harry Rowohlt alles möglich. Außerdem hat er bei ewig vielen Tonträgern seine Stimme zur Verfügung gestellt. Lesungen dauern bei ihm nicht weniger als zwei, meistens vier und manchmal sechs Stunden. Unglaublich! Ich selbst durfte vor gefühlten 13 Jahren einmal Zeuge einer solchen Lesung in Mannheim sein. Ich werde sie nie vergessen! Das war einmalig. Wer dieses Gefühl so in etwa einmal nacherleben möchte, dem sei dieses Hörbuch inbrünstig ans Herz gelegt. Dessen Titel kommt übrigens nicht von ungefähr, denn Harry Rowohlt kommt während seiner Lesungen stets von Arschbacken auf Kuchen backen, unterbricht er doch sehr häufig seine Vorträge aus dem mir nichts, dir nichts und erzählt, quatscht und schwadroniert dann drauf los. Gerne auch unter Einbeziehung des Publikums. Und was Rowohlt dann vollbringt ist ganz großes Damentennis. Er schweift ab, erzählt Anekdoten, Witze, Schwänke, Schwanke und Schwanks aus dem eigenen Leben und aus dem Leben der anderen. Die eigentlichen Texte treten dabei oftmals in den Hintergrund. Er selbst nannte seine Auftritte auch schon „Schausaufen mit Betonung“. Okay, das hab ich jetzt bei Wikipedia geklaut, aber echt nur das Zitat! Trotzdem bringt es das zu 100% auf den Punkt. Wer irgendwann und irgendwie mal die Möglichkeit haben sollte, einer solchen Lesung beizuwohnen, dem sei auch auf das Dringlichste empfohlen, diese Gelegenheit am Schopf zu packen. Man wird es nicht bereuen. Soll ich jetzt endlich mal konkret was zu diesem Hörbuch sagen? Okay: Es handelt sich dabei um eine Live-Aufnahme, die im Januar 2005 in der Berliner Volksbühne mitgeschnitten wurde. Harry Rowohlt liest dabei allergrößtenteils eigene Texte aus seinen Kolumnenbänden „Pooh’s Corner“… und schweift mal wieder gnadenlos ab. Außerdem kann er mit seiner Stimme anscheinend anstellen was er will. Im Imitieren von Dialekten, Stimmen und Stimmlagen ist er ein Gigant. Und am spannendsten wird es immer dann, wenn er einen Schluck aus der Pulle nimmt und sagt: „Da fällt mir ein…“ Ach, hört es Euch doch selbst an, bevor ich abschweife… Harry Rowohlt kann das besser!!!   Obnoxious

Sven Regener – Herr Lehmann

(Hörspiel, Der Hörverlag, 2 CDs, 117 Minuten, 19,95 Euro)

„Ach Gott, jetzt auch noch „Herr Lehmann“ als Hörspiel,“ werden einige denken, „tut das wirklich Not?“ Und darauf kann ich nach mehrmaligem Hören eigentlich nur mit einem uneingeschränkten „Ja, das tut es!“ antworten. Der Film hat mir schon sehr gut gefallen, das Buch fand ich noch besser und diese beiden CDs hauen dem Fass eigentlich den Boden aus. Ziemlich genial, was Sven Stricker, der für die Regie und Hörspielbearbeitung zuständig war, hier abgeliefert hat. Es stimmt einfach alles: die Backgroundgeräusche, der Erzählstil und die Stimmen der Sprecher. Grandios wie Florian von Manteuffel als Erzähler durch den Plot führt und wie Florian Lukas (der nölige Herr Lehmann), Bjarne Mädel (Karl, Herr Lehmanns bester Freund) und Uwe Hügle (Erwin, Schwabe und Herr Lehmanns Chef) den Figuren Leben einhauchen. Nicht zu vergessen alle anderen Sprecher und Tonmenschen, die ihr Scherflein beitrugen, um den Roman von Element Of Crime-Sänger Sven Regener zum Nonplusultra des Kopfkinos zu machen. Erste Sahne wie auf den Ebenen Background, Soundtrack, Dialog und Erzählung alles nahtlos ineinander passt und wie Regeners gedruckte Worte umgesetzt werden. Muss ich zum Inhalt eigentlich noch was sagen? Naja, ich mach’s: „Herr Lehmann“ spielt im Jahr 1989, also kurz vor dem Mauerfall, in Berlin-Kreuzberg. Die Hauptfigur Frank Lehmann, von allen aber nur Herr Lehmann genannt, ist in Berlin gestrandet und schlägt sich als Nachtschwärmer und Thekenschlampe in einer herunter gekommenen Spelunke durch’s Leben. Demnächst wird er 30, seine Freunde sind ähnliche Hallodris wie er und schlagen sich mit Kneipenjobs, Saufen und Elektrolyten in Form von Kartoffelchips die Nächte um die Ohren. Eine Flasche Bier gibt es immer noch irgendwo zu öffnen. Doch dann gerät irgendwas aus den Fugen: Herr Lehmann verliebt sich, sein Freund Karl driftet irgendwie, aber deutlich, ab und einer der Stammgäste steht im Verdacht ein Stasi-Spitzel zu sein… Ziemlich strange, andererseits der ganz normale Wahnsinn, zumindest so wie er sich Ende der 80er in Kreuzberg dargestellt haben dürfte. Am besten gefallen mir die Kneipenszenen, da bleibt bei mir wirklich kein Augen trocken, da ich aus langjährigen Erfahrungen vor und hinter der Theke weiß, dass es genau so ist, wie es ist. Absurde Gespräche, himmelschreiende Argument, halsbrecherische Thesen und Alkohol bis zum Abwinken. Einfach geil. Am zweitbesten gefallen mir die beiden Floriane als Erzähler und Herr Lehmann, deren sprachliche Leistungen wie Arsch auf Eimer passen und am drittbesten gefällt mir alles andere. Kurz gesagt: Ich bin irgendwie schon sehr deutlich von diesem Hörspiel begeistert. Hat mit knapp zwei Stunden auch eine gute Länge. Kommt im schönen Doppel-Digi-Klapp-Cover und achtseitigem Booklet mit Infos zu den beteiligten Personen. Ist das jetzt in etwa angekommen, dass ich der Meinung bin, man sollte sich „Herr Lehmann“ als Hörspiel zulegen? Ich denke, ja. Wer’s immer noch nicht begriffen hat, ist doof! Stay Home? Listen To A Book? Yeeeessssssssssss!!!   Obnoxious

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