Police Bastard – It’s Good To Hate

(CD/DVD, Iron Man)

Die Liste der Bandmitglieder und Ehemaligen von Police Bastard liest sich wie ein who-is-who der englischen Anarchopunk/Crust-Elite, so spiel(t)en bei Police Bastard Mitglieder von Doom, Contempt, English Dogs, Sore Throat, Filthkick und so weiter. Für die, die Police Bastard nicht kennen: Sie spielen düsteren, eigentlich eher im Midtempo angesiedelten Hardcorepunk, wobei ich auf „It’s Good To Hate“ vom teilweise hohen Tempo (freudig) überrascht war. Die CD enthält vier neue Tracks und ein Cover von den Peace-Punks „The Mob“, welches sich musikalisch stark vom Rest der CD unterscheidet. Darüber hinaus hat die CD eine DVD an Bord, welche eine Doku über ein Jahr im Dasein von Police Bastard zeigt, als auch Teile eines Gigs in der Köpi und beim Frankfurter Au-Fest beinhaltet. Während so manche Live-DVDs unter fiesem Sound leiden, kann diese hier richtig punkten, besonders der Teil vom Au-Fest ist soundtechnisch richtig fett geworden.   Chris

Refused – The Shape Of Punk To Come

(Do-CD + DVD, Epitaph)

Die schwedische Band gründete sich 1992 und löste sich 1998 auch schon wieder auf, unter anderem weil sie mit dem Hype um sich nicht zurecht kam, bzw. dies die Reaktion auf ihre Kommerzialisierung war, derer sie sich nicht erwehren konnte. Wer wie ich die Band vorher nicht sonderlich gut kannte, bekommt mit dieser Veröffentlichung eine hervorragende Einführung. Und Sammler werden sich nach diesem Digipack die Hacken wund laufen. Auf CD 1 ist das bahn- und gleichzeitig genickbrechende Album „The Shape OF Punk To Come“ zu hören. Das ist für ungeübte Ohren schon fast ein kruder Mix aus Punk, Metal, Elektro und Jazz. CD 2 ist ein bisher unveröffentlichtes Live-Konzert aus 1998, also schon recht  kurz vor dem Split der Band. Die DVD wurde schon 2006 alleine unter dem Titel „Refused Are Fucking Dead“ veröffentlicht und zeigt schließlich in Bildern wie abgefuckt die Band von ihrem eigenen Hype ist. Abgerundet wird das fette Digipack von einem wirklich interessanten Booklet, welches die Gedanken der Band noch offener legt. Fantastische Veröffentlichung über eine über alle Maßen interessante Band.   Bocky

Edge – Perspectives On Drug Free Culture

(DVD, Compassion Media)

Dass uns dieser Film nicht zugeschickt wurde, wundert mich herzlich wenig, da Punkrock im Gegensatz zu Straight Edge doch sehr wohl eher als hedonistisch veranlagt anzusehen ist, also anstatt mit Selbstgeiselung eher etwas mit Lust, Spaß und Vergnügen zu tun hat. Trotzdem freue ich mich den Film einem Kollegen abgeschwatzt zu haben. Denn so wurde ich recht vergnüglich aufgeklärt, was Straight Edge eigentlich alles ist. Bzw. welche gerade schon abartigen Auswüchse daraus entstanden sind. Bekannt war mir, dass Ian MacKaye mit seiner Band Minor Threat den Grundstein mit dem Song „Straight Edge“ legte. Doch ihm war nicht klar, dass es bald darauf Unmengen von Kids geben würde, die wirklich gänzlich auf Drogen wie Sex, Alkohol und Zigaretten verzichten würden und sich auf ihn beziehen würden. Für Ian MacKaye verwirrend, weil er eher meinte, man soll damit bewusst umgehen, damit man niemand anderem schadet und sein Leben selbst noch geregelt bekommt, bevor es unaufhaltsam aus den Fugen gerät. Ray Cappo und seine Jungs von Youth Of Today lebten SxE im Nachhinein allen mit dem Zeigefinger vor und waren eher ungemütliche Zeitgenossen. Ein richtig Bekloppter ist Karl Buechner der Sänger von Earth Crisis, die quasi die dritte Generation Edger verkörpern. Von der Band gibt es die wildesten Gerüchte, bspw. dass sie Raucher zusammenschlagen, wenn sie sie sehen!? Wie ich finde hat diese Doku alle drei Generationen von SxE hervorragend eingefangen und versucht sie möglichst wertfrei darzustellen. Was meiner Meinung nach zu einseitig ist: Es werden lediglich die USA beleuchtet, wo SxE nach wie vor ein fettes Ding ist, obwohl der Film von zwei Deutschen gemacht wurde! Denn eine der wichtigsten Infos wird gar nicht erwähnt, nämlich die soziale Herkunft von Punks in den Staaten bspw. verglichen mit Deutschland, wo SxE lange nicht so groß und exzessiv (Anm. Obnoxious: Ist „exzessiv“ das richtige Wort, wenn man über SxE spricht?) Pass bloß auf, dass Du nicht zusammen geschlagen wirst!) ist. Sicherlich ist das nicht der einzige Grund, aber es bleibt wohl unbestritten, dass deutsche Punks im Gegensatz zum Großteil derer, die aus den Staaten kommen, eher Mittelklasse-Kids sind, denn Jugendliche aus tatsächlichen Problemfamilien.   Bocky

Let Them Know – The Story Of Youth Brigade And BYO Records

(DVD + CD + Buch)

Dieses kleine Denkmal ließ ähnlich lange auf sich warten, wie es die Terrorgruppe-DVD nach wie vor tut. Doch gut Ding will Weile haben und dann wird das auch fein, wie man sieht. Die Stern-Brüder aus dem fernen Kalifornien taten gut daran sich zu dieser Veröffentlichung nicht groß drängen zu lassen und ein paar Jahre nach ihrem 25-jährigen Jubiläum eben jenes mit dieser Hommage an sich selbst noch einmal zu feiern. Ehrlich gesagt sind die 31 Songs, auf denen (ehemalige) Label-Größen wie NOFX, Bouncing Souls, Rancid, Briefs, Pennywise oder Youth Brigade Lieblingssongs covern, nur Beiwerk. Das Hauptaugenmerk fällt eindeutig auf dem ca. 100 Seiten starken Buch und der knapp 88-minütigen Doku-DVD, in denen das Entstehen der Band, der Community und dem Label von Kindesbeinen an eindrucksvoll beschrieben wird. Zugegebenermaßen war ich schon immer fasziniert von der Better Youth Organisation, hatte jedoch nie groß die Zeit mich damit zu befassen und kannte lediglich den Film „Another State Of Mind“, der Youth Brigades-Tour gemeinsam mit den jungen Social Distortion (Mike Ness war damals noch minderjährig und erst auf dem Weg drogenabhängig zu werden!) zeigt. Klar spielt auch dies in dem Gesamtwerk eine nicht ganz unwesentliche Rolle, ist aber bei Weitem nicht alles, was in dem Hause BYO bis heute passierte. Zusammengefasst kann man nur feststellen, dass man in einem Review diesem Denkmal an die frühe DIY-Phase kalifornischen Punks nicht gerecht werden kann, weil es viel zu umfassend und beispielhaft ist.   Bocky

SICK OF SOCIETY – Im Sternbild des Kaos

(DVD + CD, www.sickofsociety.de)

Ach Gott, ach Gott. Wer braucht denn jetzt auch noch eine DVD mit den Ergüssen von Sick Of Society?Ich jedenfalls nicht. Wie dem auch sei: Auf der DVD befindet sich ein Mitschnitt der Release-Party von „Weekend Anarchy“, dem letzten Album der Gesellschaftskranken im Juni 2009 im Beteigeuze in Ulm. Visuelle Live-Mitschnitte irgendwelcher Bands interessieren mich aber nicht die Bohne. Ich wüsste nicht, warum ich mir den besoffenen Punk-Pöbel beim Musizieren und Pogen abends irgendwann mal nur so zum Spaß im TV ansehen sollte. Hab ich bessere Sachen zu tun. Ist mir zu langweilig. Immerhin wird die DVD durch Gimmicks aufgelockert, in denen die Band in gemütlicher Atmosphäre aus dem Nähkästchen plaudert. Das sind die besten Momente der DVD. Dazu gibt es noch ein paar Video-Clips zu einzelnen Songs, die Sick Of Society in der Vergangenheit mal produziert haben, Outtakes und ein gefaktes Meet & Greet. Auch ganz nett. Auf der beigelegten CD gibt es nochmal alle Songs des Konzert-Mitschnitts in Studio-Qualität. Die CD gefällt mir um einiges besser als die Versionen auf der DVD, weil Sick Of Society mir live zu metallisch sind, in ihren Studio-Versionen aber durchaus das ein oder andere Mal durch coole Punkrock-Songs zu gefallen wissen. Aber letztendlich wollen sie ja ihre DVD verkaufen. Und die kann ich hier beim besten Willen nicht empfehlen. Die Aussagen der Band sind mir dafür oft auch schon zu platt.   Obnoxious

Skinhead Crossculture

(DVD, Sunny Bastard)

Dass Sunny Bastard diese DVD veröffentlichen wird, habe ich erfahren, als Labelboss Christian gerade in den Staaten weilte und wohl die Einzelheiten klärte. Er schrieb mir, dass der Film gerade in Las Vegas auf dem Filmfestival im Wettbewerb laufen würde. Wie renommiert das Festival ist, vermag ich nicht zu sagen, aber dass Subkulturen bei vermeintlichen Künstlern und Kunstliebhabern ein Stein im Brett haben ist nichts Neues. Damit soll aber die Doku nicht in Misskredit gezogen werden. Sab von Iron Cross vermag ebenso den Zuhörer zu unterhalten wie Perry von The Templars oder Jimmy von Murphys Law. Nicht wenige zählen Letztere eher zum HC, womit wir schon auf das Problem dieses Films zu sprechen kommen. Zum einen fehlen solche Protagonisten wie Roger Miret von Agnostic Front und zum anderen versucht sich der Film ausschließlich den Anfängen des US-Oi! zu widmen. Eine Zeit, in der es jenseits des Atlantik nicht viele Oi!-Bands gab, weshalb Sab von Iron Cross einem das Ohr mit Infos volllabert, die man andernorts schon mehrfach hörte. Anfangs hat man mit seinem Aussehen total geschockt, alles war viel gewalttätiger und jeder konnte musikalisch tun, was er wollte. Wie der Regisseur dann auch noch darauf kommt Bluekilla als deutschen/europäischen Vertreter heranzuziehen, ist mir vollends schleierhaft! Da gibt es doch selbst in Deutschland interessantere Kapellen, oder? Insgesamt finde ich den Grundgedanken der Produktion gut und interessant, aber die Protagonisten sind eher gedankenlos zusammen gewürfelt. Damit das Teil hierzulande überhaupt das andere Ende der Verkaufstheke erreicht wurden Extras mit Volxsturm, Bovver Boys, Gimp Fist und Urban Rejects hinzugefügt. Was für Einsteiger.   Bocky